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THEMENTOUR: Commerzbank Tower

Die Architektur der Hochhäuser wurde raffinierter und gleichzeitig setzte das Planungsdezernat bei Bauherren und Architekten einen behutsameren Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz und vor allem die Einbeziehung der Nachbarschaft durch. In den Türmen entstanden öffentliche Durchgänge, Restaurants, Bars und auf der Spitze des Main Towers sogar eine Besucherplattform. Die Stadt boomte und vollzog innerhalb weniger Jahre einen dramatischen Imagewechsel: aus ›Krankfurt‹ wurde ›Mainhattan‹ und die Skyline zum ›Markenzeichen‹ Frankfurts als deutsche ›Hochhausstadt‹.

Seit 1997 dominiert der 259 Meter hohe Commerzbank Tower, der bis zur Antennenspitze fast 300 Meter misst, die Skyline Frankfurts. Erbaut wurde der Wolkenkratzer als Europas höchstes Bürogebäude. Zwei Meter höher als der bis dato den Spitzenplatz besetzende Messeturm, hielt der Commerzbank Tower diesen Rekord bis 2003. Neben dem Superlativ der Höhe, die heute im internationalen Vergleich verschwindend gering ausfällt (seit 2010 hält der Burj Khalifa in Dubai den Höhenrekord mit 828 Metern und 163 Etagen), ist es vor allem die Konstruktion und das energetische Konzept, das auch nach über 20 Jahren noch beispielhaft ist.
Das Team um Stararchitekt Lord Norman Foster entschied, das übliche Konstruktionsprinzip von Hochhäusern umzudrehen und statt eines tragenden Kerns ein lichtdurchflutetes Atrium in die Mitte des Gebäudes zu setzen. Die statisch wirksame Tragstruktur, inklusive aller vertikaler Versorgungsschächte, wurde stattdessen in die drei abgerundeten Ecken des im Grundriss gleichschenkligen Dreiecks mit jeweils 60 Meter Kantenlänge verlegt. Dazwischen spannt sich eine einzigartige Rahmenkonstruktion aus Stahl. Die Besonderheit dieser Konstruktion offenbart sich in der Gebäudestruktur und inneren Intelligenz der Funktionsverteilung. Jeweils zwei Segmente jeder Etage sind als Büroflächen genutzt, während das dritte Segment frei bleibt und sich mit zwei weiteren Geschossen zu einem neun Meter hohen Wintergarten zusammenfügt.
Diese innen liegenden Gärten sind so angeordnet, dass sie spiralförmig versetzt nach Süden, Osten und Westen ausgerichtet sind. Von außen sind die neun Gartenbereiche gut zu erkennen: als Einschnitte in der Fassade und durch die teils hoch gewachsene Vegetation hinter den zu öffnenden Fensterklappen. Abhängig von der jeweiligen Himmelsrichtung sind die Themengärten mit asiatischer, mediterraner oder nordamerikanischer Vegetation gestaltet. Für die mehr als 2.400 Menschen, die im Commerzbank Tower arbeiten, wird auf diese Weise ein kleinteiliges, ökologisches und arbeitnehmerfreundliches Mikroklima geschaffen, das auf gemeinschaftliche Grundstrukturen zurückgreift: Zwölf Geschosse bilden ein Dorf, jedes davon hat drei Gärten, von denen jeweils einer bewirtschaftet ist. Auch wenn die Gärten von außen nur zu erahnen sind: Jeder Besucher kann über die beiden hohen Freitreppen vom Kaiserplatz oder der Großen Gallusstraße kommend, die Lobby durchqueren, die Kantine besuchen und einen Blick vom markierten Mittelpunkt des Gebäudes aus durch das dreieckige Atrium nach oben werfen. Für interessierte Besucher werden zudem regelmäßig öffentliche Führungen angeboten.

Kaiserplatz, Kaiserstraße 16,
Große Gallusstraße 17–19

 

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In Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum DAM: www.dam-online.de/Veranstaltungen